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Abendseminar "Doping im Islandpferdesport"
Abendseminar: Doping

„Das darf man auch nicht?!" - Solche und ähnliche Bemerkungen blieben vom Abendseminar zum Thema Doping in Erinnerung, denn es gab viele neue und teilweise erstaunliche Informationen.
Doch nun von vorne... Am Freitag Abend (05.02.2010) trafen sich (ungewohnt :) ) pünktlich viele interessierte Teilnehmer (über 35) für einem Vortrag zum Thema „Doping im Islandpferdesport: was kann ich - darf ich - muss ich?" von Dr. Kai Klingelhöfer im Gästehaus auf dem Wiesenhof.
Der Fachtierarzt für Pferde stieg mit einem Zitat von der Homepage der Islandpferde-Weltmeisterschaften 2009 ein: „Einmal mehr hat der Islandpferdesport gezeigt dass er sauber ist. Bei 20 von 160 Pferden wurden an den Weltmeisterschaften Dopingproben durchgeführt. Alle Tests waren negativ, das heißt es wurden keine verbotenen Substanzen gefunden! ...".
Scherzend meinte er gleich aufhören zu können, da Doping ja wohl keine Rolle in unserem Sport spielen würde. Doch dann machte er auf die Zahlen aufmerksam. Sollen 20 Proben von 160 Pferden, wovon über die Hälfte allein von den Gewinnern genommen wurden, beweisen, dass kein Doping durchgeführt wurde? Wohl kaum.

Mit einem schockierenden Beispiel machte er die Zuhörer auf die Realität aufmerksam:
Auf dem Landsmot 1994 startete ein Pferd, dem aufgrund eines Haarrisses Schmerzmittel verabreicht wurde um an der Prüfung teilnehmen zu können. In Folge der hohen Belastung rissen dem Pferd noch während der Prüfung die Bänder des Fesselgelenks.
Solche moralisch nicht vertretbaren Fälle sind allerdings (glücklicher Weise) die Ausnahme. Viel häufiger kommt es vor, dass Pferde unbeabsichtigt gedopt werden. Die Besitzer möchten ihnen etwas Gutes tun und verabreichen ihnen Substanzen, die in der Doping- Liste zu finden sind.
Und genau auf diesem „dopen ohne es zu wissen" lag der Schwerpunkt des Vortrags.
Zunächst machte Kai Klingelhöfer deutlich was „Doping" überhaupt bedeutet: Unter Doping versteht man gemeinhin die Einnahme von unerlaubten Substanzen oder die Nutzung von unerlaubten Methoden zur Steigerung der sportlichen Leistung.
Soweit klar ist, dass die Dopingbestimmungen dazu dienen dem Tier und dem Tierschutz gerecht zu werden und faire Wettkämpfe zu gewährleisten, doch so einfach wie es sich anhört ist es nicht. Es ist schwer den Überblick über sämtliche verbotene Medikamente und deren Wirkungsdauer sowie die Zeit, in der die jeweilige Substanz nachgewiesen werden kann, zu behalten. Außerdem gibt es Unterschiede zwischen dem internationalen und nationalen Regelwerk.

Als nächstes informierte er neben dem Ablauf einer Dopingkontrolle über die verschiedenen Dopingarten, deren Formen und verbotene Medikamente:
1. Das Doping auf Sieg, bei dem die Leistungsfähigkeit steigen soll. Dabei kann beispielsweise akut die Konzentration und Leistungsfähigkeit erhöht werden oder chronisch eine Muskelzunahme erreicht werden. Erstaunlich war, dass auch z.B. Koffein unter Doping fällt. Man darf seinem Pferd auf dem Turnier also keine Cola anbieten!
2. Das Doping auf Niederlage, wobei ein Leistungsabfall beim Konkurrent provoziert werden soll. Mit dieser unfairen Art des Konkurrenzkampfes haben wir im Gegensatz zu anderen Bereichen des Pferdesports allerdings (noch) eher nichts zu tun.
3. Das Doping zur Wiederherstellung der normalen Leistungsfähigkeit
4. Das Doping mit körpereigenen Substanzen, bei dem z.B. die Anteil der roten Blutkörperchen im Blut erhöht und damit die Sauerstoffaufnahme verbessert werden kann. Aber auch die Unterstützung durch Zufuhr von Elektrolyten oder Glucose ist Doping!
5. Das unabsichtliche Doping, die wahrscheinlich häufigste Form wobei vorrangig die Wirkungszeit/Ausscheidungszeit eines Medikaments von Bedeutung ist. Hat ein Pferd z.B. eine Kolik und es wird Buscopan verabreicht, ist das noch 5 Tage danach nachweisbar. Bei einem fiebrigen Infekt und der Anwendung von Veracin 56 Tage. Aber auch bei Sommerekzem oder einer Augenentzündung läuft man Gefahr zu dopen. Bei einigen Medikamenten gibt es allerdings bisher auch noch keine genauen Erkenntnisse. Deshalb ist es wichtig vor einer Behandlung immer mit dem Tierarzt zu sprechen und ihn auf einen kommenden Einsatz am Turnier hinzuweisen. Dieser kann dann geeignete Medikamente auswählen und über die Behandlungsdauer und Art entscheiden.
6. Physikalisches Doping (z.B. Beschlag)
Um es den Besitzern im „Dschungel der Dopingmittel" einfacher zu machen, machte die FEI 2009 beispielsweise den Vorschlag zu einer sogenannten „progressive list", die erlaubt, dass bestimmte Schmerz- und Entzündungshemmer bis 24h vor dem Turneireinsatz erlaubt sind. Nach massiven Protesten aus tierschützerischen Gründen setzte man die Einführung 2010 aber aus.
Nun hatte mancher den Eindruck als könnte er gar nichts machen, doch um seinem Pferd die optimalen Startbedingungen zu geben ohne dabei gegen die Dopingregeln zu verstoßen ist besonders auf die Fütterung (Fütterungszeit, Futtermittel,...), die positive sowie negative Effekte haben kann, zu achten. Außerdem können verschiedene Zusatzfuttermittel (genau darauf achten, welche erlaubt sind!) verabreicht und die Impfungen korrekt durchgeführt werden sowie der Zustand der Zähne kontrolliert werden. Auch sollte man auf das Transportmanagement achten.
Als Fazit blieb zu sagen, dass die Gesunderhaltung des Pferdes absolute Priorität hat und der Islandpferdesport aus Erfahrungen im Dressur-, Spring- und Rennsport lernen kann.
Im Anschluss an den Vortrag beantwortete Kai Klingelhöfer noch viele Fragen und es wurde angeregt diskutiert.
Vielen Dank an die Organisation eines sehr interessanten und lehrreichen Veranstaltung durch Dani Gehmacher und an Kai Klingelhöfer, durch den die Zuhörer durch seine vielen eigenen Erfahrungen und Fachwissen kompetent beraten und informiert werden konnten.
(Annika König)







