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Donnerstag, 14. Januar 2010

Studienreise nach Portugal "Klassische Dressur".

„Klassische Dressur" auf Lusitanos - Mehr als nur ein Reitlehrgang

Es war Montag, ein typischer Oktobertag, viel zu früh am Morgen als sich acht pferdebegeisterte Jugendliche des Jugendkaders Baden-Württemberg und des Wiesenhof-Jugendförderteams am Frankfurter Flughafen trafen. Acht Jugendliche, die die ehrgeizige Idee hatten, endlich die „klassische Reitkunst" zu erlernen. Das Ziel war klar, das „Centro Equestre da Lezíria Grande" in Villa France de Xira, etwas nördlich von Lissabon, doch der Weg dahin war weit. Runde 2000 Kilometer, oder drei Flugstunden und eine halbe Stunde Autofahrt um genau zu sein. Wären wir zu Fuß gegangen, wären wir wohl 2 Wochen unterwegs gewesen - sagt zumindest google.
Aber zurück zum Wesentlichen...


Gewohnt haben wir in einem Hotel ganz in der Nähe des Centro Equestre. Die Zimmer hatten alles was man braucht, und die Tatsache, dass das einzige deutsche Fernsehprogramm das „ZDF" war, hatte wenigstens den Vorteil, dass wir uns immer über das Fernsehprogramm unterhalten konnten, denn wir haben ja zwangsweise - wenn überhaupt - immer das selbe angeschaut. Lediglich die Balkone waren etwas knapp für uns alle zusammen, aber wen stört das schon, wenn man bis tief in die Nacht hinein im T-Shirt auf dem Balkon sitzen kann? Dass Simon und Andi statt eines Balkons wunderschöne Fenster hatten, sei nur am Rande erwähnt...


Als wir uns also Montagnachmittag einigermaßen in unseren Hotelzimmern eingerichtet hatten, fuhren wir zum Centro Equestre, um uns dort ein wenig umzuschauen. Ab Dienstag hatten wir dann fast jeden Tag zwei Reitstunden in 4er Gruppen bei Sophia und Filipa Valença, wobei eine Reit"stunde" locker 1,5 bis 2 Stunden gedauert hat. Die Schulpferde waren allesamt gut ausgebildete Lusitano-Hengste. Seitengänge, also "Shoulder-In" und "Half-Pass" (Schulterherein und Traversale) im Schritt, Trab und Galopp waren Standard in jeder Reitstunde. Man bekommt sogar den Eindruck, dass in Portugal gar nicht geradeaus geritten wird, sondern dass die Pferde sich immer nur vorwärts-seitwärts bewegen. Ansonsten durften wir jeweils das ausprobieren, was das jeweilige Pferd konnte - Kontergalopp, Fliegende Galoppwechsel, Spanischer Schritt, Passage, Piaffe, Spanischer Trab oder Kompliment.


Gegen Ende der Woche hatten wir acht auch ein paar Reitstunden alle zusammen, in denen wir eine Quadrillie eingeübt haben, die wir in der letzten Reitstunde in traditioneller portugiesischer Kleidung vorführen durften. Ein ausgesprochen faszinierendes und für den typischen Islandpferde-Wuselpony-Reiter ein durchaus ungewöhnliches Gefühl: 8 Pferde galoppieren fast im Schritttempo hintereinander her und auf verschiedenen Quadrillie-Figuren - und das nicht nur ohne Zusammenstöße, sonder sogar so, dass sich ein schönes Bild ergibt.


So eine Reitstunde kann ganz schön anstrengend sein - zumal wir eher Danis 30-Minuten-„Wenn's gut war hören wir auf"-Unterrichtseinheiten gewohnt sind. Da kam es uns durchaus entgegen, dass die Pferde für uns gesattelt und auch nach der Reitstunde wieder versorgt wurden.

Im Verlauf der Woche haben wir außerdem den einen oder anderen Ausflug gemacht, wir waren unter anderem bei der Portugiesischen Hofreitschule und bei einem Lusitano-Züchter. Schon beeindruckend, die Lusitanos wachsen dort offensichtlich genau so artgerecht auf wie unsere Isis hier im Albtal, in großen Herden auf riesigen Flächen. Lediglich die traditionsbedingte Glocke um den Hals der Lusitanos stellt einen signifikanten Unterschied dar.


Abends haben wird die dortigen Restaurants und Bars unsicher gemacht, oft in Begleitung von Mitarbeitern des Centro Equestre. Allerdings waren wir etwas erstaunt, dass die Restaurants in Portugal frühestens um halb acht aufmachen, eher noch später. An einem Abend waren wir in Lissabon in einer wunderschönen "Strandbar" oder vielmehr "Ufer-Bar" und danach in einer Disco, wo unsere wohl größte Stärke voll zur Geltung kam: Feiern bis tief in die Nacht hinein und trotzdem - oder gerade deshalb - am nächsten Morgen topfit auf dem Pferd sitzen. Zumindest bei letzterem musste sich der uns begleitende portugiesische Mitarbeiter des Centro Equestre eindeutig geschlagen geben...

Man kann wohl ohne zu übertreiben behaupten, dass das für uns alle einer der schönsten Urlaube unseres Lebens war! Nicht zuletzt, weil die Gruppe einfach perfekt zusammen gepasst hat. 8 Jugendliche, 1 Woche und kein einziges Mal Streit oder auch nur ansatzweise schlechte Stimmung. „Ich find's echt toll, dass wir keine Spaßbremse dabei hatten!" - treffender als Andi kann es wohl niemand beschreiben.

Fest steht, die Woche war wunderschön und ist viel zu schnell vorbei gewesen. Fest steht auch, dass der eine oder andere von uns bestimmt mal wieder nach Portugal gehen wird - vielleicht schon nächstes Jahr? Denn wer ein mal eine derartig tolle Reise erlebt hat, wird sie sein Leben lang nicht vergessen.


An dieser Stelle herzlichen Dank an Annette Braun, Dani Gehmacher und Team für die Organisation und natürlich an das Team rund um Luis Valença - ohne sie alle wären uns diese wundervollen Eindrücke verwährt geblieben!

(Die gesamte Reisegruppe)