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Interviews "Seminar der alten Meister"
Das „Seminar der Alten Meister" hat auch die „Alten Meister" selbst begeistert
In Ergänzung zu dem bereits veröffentlichten Artikel über das „Seminar der Alten Meister", welches im Rahmen des baden-württembergischen Bundesjugendtrainings stattgefunden hat, hat die „Jugend Baden-Württembergs" die „Alten Meister" nach ihrer Meinung befragt.
Andreas Trappe:
Die Jugend BW: Andreas, zuerst einmal, was hast du für einen allgemeinen Eindruck von diesem Seminar mitgenommen und ist dir irgendetwas Spezielles in Erinnerung geblieben?
Andreas Trappe: Mein allgemeiner Eindruck war sehr gut, besonders gefiel mir, dass dieses Seminar neue und für die Jugendlichen sicher unbekannte Themen aufgreift und dass ihnen hier ein breites Wissensspektrum an Dingen am/um das Pferd vermittelt werden und somit ein fundiertes Basiswissen geschaffen wird, auf dem die jugendlichen Reiterinnen und Reiter aufbauen können und eben diese vielfältigen Gesichtspunkte, die hier vorgestellt und behandelt werden und ihr Wert für die Ausbildung von Jugendlichen sind der vorwiegende Aspekt, der mir in positiver Erinnerung bleiben wird.
Die Jugend BW: Auf welche speziellen Themengebiete bezieht sich diese breite Wissensbasis der Jugendlichen?
Andreas Trappe: Dieses Seminar gibt den Jugendlichen Anreiz, sich auf vielen verschiedenen Ebenen Wissen anzueignen. Beispielsweise die intensivere Betrachtung des Gebäudes und die Schlüsse, die daraus auf die Reiteigenschaften gezogen werden können oder auch das weitläufige Thema „Distanzreiten", wie Claus und Ullu Becker es uns auf besondere Art und Weise vorgestellt haben. Ich bin überzeugt, dass die Jugendlichen Anreiz und Begeisterung gefunden haben, die Dinge, die ihnen gefallen haben, zu vertiefen und sie in ihre tägliche Arbeit mit den Pferden einfließen zu lassen und das ist meiner Ansicht nach ein sehr wertvoller Schritt. In meinen Augen ist es immens wichtig, dass gerade und besonders jugendliche Reiterinnen und Reiter ihren Horizont so vielfältig wie möglich erweitern und es war eine schöne Erfahrung für mich, ihr Interesse für neue Themen und Dinge geweckt zu haben, natürlich auch in die Vergangenheit und die Anfänge unseres Sports, wie es auch Walter Feldmann vorgestellt hat und somit einen Anschluss zum heutigen Islandpferdesport geben konnte.
Heinz Pinsdorf
Die Jugend BW: Heinz, auch an dich zuerst die Frage nach deinem allgemeinen Resumée und deinen Eindrücken von diesem Wochenende?
Heinz Pinsdorf: Für mich war es das erste Mal, dass ich etwas in dieser Art gemacht habe, bisher war ich nur als Trainer des Landesverbandskaders Rheinland aktiv und habe sonst eher wenig referiert. Auch für mich war es besonders interessant zu erfahren, wie aufgeschlossen und begeistert die Jugendlichen auf für sie neue Themen wie beispielsweise die Erlebnisse von Claus und Ullu Becker zugegangen sind und etwas ganz Neues aufgenommen haben. Auch dass so viele verschiedene Trainer und Ideen an einem Wochenende zugegen waren, war keine Schwierigkeit, ganz im Gegenteil: ich glaube, dass diese Form eines Seminars unbedingt wiederholt und fortgesetzt werden sollte.
Die Jugend BW: Du würdest also sagen, der Blick zurück und auf die „Alten Meister" unserer Zunft lohnt sich für alle Reiterinnen und Reiter?
Heinz Pinsdorf: Ja absolut. überlegt man sich mal wie lange das Great American Horse Race her ist, die meisten Teilnehmer hatten ja noch nie etwas davon gehört, dann finde ich es schon gigantisch, welch großes Interesse und welche Begeisterung diese Geschichte bei den Jugendlichen geweckt hat und ich bin der Überzeugung, dass das kein Zufall ist. Auch was Andreas Trappe uns gezeigt hat, die verschiedenen Gebäudetypen und ihre Spezifikationen unter dem Reiter, das war unheimlich interessant für die jungen Reiter, dass sie mal sehen konnten, was sich unter ihnen gelegentlich so tut. Gut, man darf die Gebäudeproblematiken und ihre Lösungsansätze nicht überbewerten, aber in einigen Fällen kann das der goldrichtige Weg zum Erfolg sein, wie man ja in der heutigen Turnierszene beobachten kann.
Die Jugend BW: Was genau meinst du damit?
Heute werden die Turnierpferde oftmals viel zu sehr zusammengestellt und eingepfercht und es war auch hier beim Seminar zu sehen, wie den Pferden der natürliche Fluss und die (Bewegungs-) Freiheit abhanden kamen. Doch genau das ist es, was unsere Pferde ausmacht und was eines der größten Güter ist, die ein Islandpferd besitzt, nämlich die einzigartigen Bewegungen, die uns diese Tiere von Natur aus anbieten. Es muss sich wieder mehr am einzelnen Pferd orientiert werden und man sollte damit aufhören, die Pferde pauschal in ein bestimmtes Format zwängen zu wollen. Das ist für mich auch der Bezug zu den Anfängen unseres Sports, um den es an diesem Wochenende ja geht: die Pferde nehmen wie sie sind und sie gemäß ihrer Fähigkeiten einsetzen. Das war ja unter anderem auch einer der Grundgedanken von Bruno Podlech, der immer den Geist und das Wesen des Pferdes in den Vordergrund gestellt hat.
Die Jugend BW: Wie denkst du, Heinz, kann man diese Werte den Jugendlichen am besten näherbringen?
Heinz Pinsdorf: Unter anderem ist es wichtig, dass die Jugendlichen so viele verschiedene Pferde wie nur irgend möglich reiten, um möglichst schnell ein Gespür für die Tiere zu entwickeln. Das war, ist und wird entscheidend dafür, wie gut die Jugendlichen wirklich werden. Daneben ist eine ebenso nützliche Erfahrung für die Jugendlichen, sich mal auf einen 3-Tages- oder Wanderritt zu begeben, denn nirgends lernt man sein Pferd besser kennen und bekommt ein Gespür für dessen Leistungsfähigkeit.
Claus und Ullu Becker:
Die Jugend BW: Hallo Ullu, hallo Claus, ihr hattet mir ja bereits gesagt, dass euch das Seminar begeistert hat. In welcher Hinsicht?
Ullu Becker: Besonders überrascht und eben begeistert hat uns das schier endlose Interesse der jugendlichen Teilnehmer und die überlegten und weiterführenden Fragen. Sie haben nicht nur konsumiert, wie es heutzutage ja leider viel zu oft der Fall ist, sondern haben nachgefragt und das Thema regelrecht in sich aufgesogen.
Die Jugend BW: Ihr habt euer Publikum mit eurem Charme und dem genialen Zusammenspiel untereinander begeistert. Macht ihr so etwas öfter?
Ullu und Claus Becker: Wir haben schon lange nichts mehr in dieser Art gemacht, ich bitte Sie, das ist über 30 Jahre her - lachen! Wir haben die gesamte Geschichte neu aufgerollt und wieder aufleben lassen, wobei die Erzählung der eigentlichen Geschichte viel mehr Zeit in Anspruch genommen hätte, schließlich ging die Reise ja über mehrere Monate. Doch wir haben uns gedacht, es wäre interessanter, einen Tenor der Reise zu präsentieren, der nur eine Kurzform des Ablaufs behandelt, aber den besonderen Geist und die wirklich wichtigen Schlüsse aus den Ereignissen vermittelt. Wir dachten, uns es sei für die Jugendlichen wichtiger, die besondere Leistung einschätzen zu können, die unsere Pferde vollbracht haben und dieses besondere und einzigartige Zusammenwirken von Mensch und Pferd zu erfahren.
Die Jugend BW: Klingt als wärt ihr begeisterte Wanderreiter?
Ullu und Claus Becker: Im Prinzip: ja! Wir können jedem, besonders unseren Jugendlichen nur raten, selbst einmal Wanderreiterfahrung zu sammeln, denn es bringt jeden weiter. Man lernt sein Pferd erst wirklich richtig kennen, wenn man einmal gemeinsam hungrig, durstig und müde war und gewinnt wesentlich mehr Zutrauen und auch Vertrauen in die Stärken und Kräfte seines Partners.
Die Jugend BW: In Walter Feldmanns Vortrag über die Geschichte der Sportreiterei mit Islandpferden spielt ihr auch eine nicht unerhebliche Rolle. Wie war es für euch, diesen Teil eures Lebens nochmal präsentiert zu bekommen?
Ullu und Claus Becker: Es waren unsere Erinnerungen und unsere Geschichte aus einer anderen Sicht. Wir waren ja von Anfang an intensiv dabei und in die Szene involviert, eben auch in sportlicher Hinsicht. Vielmehr gefreut hat uns aber, dass die Jugendlichen einen Einblick bekommen haben, wie das heutige System entstanden ist und wo es seine Ursprünge hat. Die traditionelle Reiterei hat ja ihren Ursprung vor nicht viel mehr als 200 Jahren, die Heeresdienstvorschrift (in der die heutige klassische Dressurreiterei begründet liegt, d. Red.) ist von anno 18??, es ist also noch gar nicht lange her, da war die Reiterei noch fernab eines so fremdartigen Sportgerüsts, wie wir es heute kennen und diese Überlegungen, die wie Walter sagt, zur heutigen Sportart geführt haben und noch recht jung sind, sind eine wichtige Wissensgrundlage für die jugendlichen und zukünftigen Sportreiter.
Die Jugend BW: Zum Abschluss noch ein Frage zum Seminar allgemein, Ullu, Claus, wie hat euch die allgemeine Konzeption der Veranstaltung gefallen?
Ullu und Claus Becker: Wir waren begeistert von der Idee und dem Gedanken der hinter dieser Veranstaltung und ihren Lehr- und Lernzielen steckt und es hat uns sehr gefreut, dass es bei den Jugendlichen offensichtlich so regen Anklang gefunden hat. Man muss das Rad nicht neu erfinden, aber wenn man weiß wie es erfunden wurde, kann man es besser nutzen. Ich denke, das ist eine der zentralen Aussagen dieses Wochenendes.
Helga und Bernhard Podlech:
Die Jugend BW: Helga, Bernhard, was waren die Eindrücke, die Ihr an/von diesem Seminar gewinnen konntet?
Helga Podlech: Mich hat besonders gefreut, die „Alten Meister" wiederzusehen - vor allem die Begeisterung mit der alle gesprochen oder auch zugehört haben.
Die Jugend BW: Haltet Ihr dieses Seminar für wiederholens- und fortsetzungwert? Würdet Ihr bei einer Neuauflage/Fortsetzung dieser Veranstaltung wieder teilnehmen und was würdet Ihr womöglich hinzufügen und verändern?
Helga Podlech: Ich denke, dass dieses Seminar auch für einen weiteren Personenkreis sehr interessant ist. Ich würde gerne wieder mitarbeiten.
Die Jugend BW: Bernhard, wie war es für Dich, über eines der grundlegenden Werke Deines Vaters zu referieren und wie hast Du Dich darauf vorbereitet?
Bernhard Podlech: Für mich ist es eine schöne Erinnerung, das Wissen meines Vaters weiterzugeben, auch wenn ich mich erst daran gewöhnen muss und es nicht immer leicht ist. Ich hatte zur Vorbereitung Brunos Gedanken und unsere zahlreichen Gespräche, so wie das Video und die Seminare, die Bruno gemacht hat und an denen ich teilgenommen habe, zusammengefasst, um daraus das Wichtigste vorzutragen und die Neugier für das Thema zu wecken.
Die Jugend BW: Helga, der Wiesenhof kann getrost als Lebenswerk von Dir und Deinem Mann bezeichnet werden. Es ist Dir, Deiner Familie und dem Wiesenhofteam sicherlich ein Anliegen, die Philosophie und die Arbeit von Bruno und auch von Dir zu erhalten und fortzuführen. Wie siehst Du dieses Vorhaben im „Seminar der Alten Meister" verwirklicht und wie stellt Ihr Euch vor, dies in Zukunft weiterzuführen?
Helga Podlech: Sicher wird das „Lebenswerk Wiesenhof" weitergeführt. Die Seminarreihe „Reiten in Balance" ist für mich zum Beispiel eine solche Fortführung unserer Philosophie. Im Seminar „Alte Meister" sehe ich mehr die Info über die „Ur-Entwicklung" der Islandpferdeszene - teilweise Dinge, die sich heute keiner mehr vorstellen kann.
Die Jugend BW: Welche Elemente Eurer Philosophie und Eurer Arbeit erachtet Ihr als besonders wertvoll im Hinblick auf ein Seminar wie dieses, was wolltet Ihr den jugendlichen Teilnehmern vermitteln?
Helga Podlech: Ich sehe den Schwerpunkt in diesem Seminar für uns, dass die jungen Menschen ein größeres Allgemeinwissen über den Ursprung und die Entwicklung des Islandpferdes erhalten. Zum Schluss möchte ich sagen, dass diese Idee zu diesem Seminar von Dani Gehmacher und Bruno entwickelt wurde und ich mich sehr gefreut habe, dass trotzdem Bruno nicht mehr da ist, dieses Seminar stattgefunden hat und sehr schön war.
Walter Feldmann:
Die Jugend BW: Was war Dein allgemeiner Eindruck des Wochenendes und was war der vorwiegende Eindruck, den Du gewinnen konntest?
Walter Feldmann: Ich denke, es hatten alles viel Spaß gemacht, in sehr authentischer Form verschiedene Themen dargeboten zu bekommen.
Die Jugend BW: Hast Du bereits einen Vortrag/ein Seminar in dieser Form gehalten und würdest Du eine Fortsetzung dieser Thematik begrüßen?
Walter Feldmann: Ich habe schon mehrere Vorträge in dieses Art zu verschiedenen Themen gehalten und glaube, dass es eine gute Idee ist.
Die Jugend BW: Wie war es für Dich, die Geschichte des Great American Horse Race noch einmal zu erleben und was denkst Du, konnten die Teilnehmer davon lernen?
Walter Feldmann: Weiß ich nicht, da ich leider nicht dabei sein konnte.
Die Jugend BW: Nachdem Du Deine langjährige Arbeit als IPZV-Ausbilder beendet hast, könntest Du Dir vorstellen, an weiteren Seminaren in dieser Form als Referent teilzunehmen?
Walter Feldmann: Gerne, wenn es der zeitliche Rahmen zulässt.
(Die Interviews geführt hat Gero Schmidt im Auftrag der Jugend Baden-Württembergs.)







