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Halfterklasse & Caprilliprüfung auf der BW-Meisterschaft 2009
Gedanken zur Turniersaison 2009
Es gab sie auch dieses Jahr, die schönen Bilder von harmonischen Ritten und gelungenen Vorstellungen. Berichtet wurde freilich fast ausschließlich über die „normalen", die „wichtigen" Prüfungen. Dabei wird übersehen, dass es manchmal gerade die von der Presse, aber auch von Reitern und Zuschauern stiefmütterlich behandelten Prüfungen sind, die uns besondere Aha-Erlebnisse liefern können und auch dieses Jahr geliefert haben.
Auf den Baden-Württembergischen Meisterschaften 2009 auf dem Münzenfelder Hof in Wurmberg waren neben Trail und Mitternachtspaarreiten unter anderem als zusätzliche Prüfungen auch Halfterklasse FZ2 und Reiten im leichten Sitz SP2 ausgeschrieben. Für die Halfterklasse hatten sich dank intensiver Überzeugungsarbeit von Daniela Gehmacher und Annette Braun mit 18 Teilnehmern gut 5% aller Starter angemeldet, und zwar quer durch alle Alters- und Niveauklassen. Leider fanden beide Prüfungen keine Erwähnung in dem offiziellen Bericht im DIP (vgl. DIP 131/2009 S. 79f.). Das ist schade. Denn es gab in der Tat in beiden Prüfungen schöne Vorstellungen, wenn auch ob der widrigen Witterungsbedingungen leider nicht fotografisch dokumentiert.
Auch die Teilnehmer waren begeistert. So findet beispielsweise Lena Dörrer, mit ihrem Pferd Villingur vom Lixhof zweite in der Halfterklasse hinter Alexandra Spamer mit Huginn frá Hæli: „Ich fand die Halfterklasse sehr gut, da man dadurch erst gemerkt hat, wie wichtig die Bodenarbeit eigentlich ist. Das Pferd hört viel mehr auf einen und hat auch mehr Respekt. Ich finde, es sollte diese Prüfung öfters geben." Eine andere Teilnehmerin ergänzt: „In der Halfterklasse wird die Bodenarbeit abgeprüft - die Kommunikation von Mensch und Pferd vom Boden aus. (...) Sie bietet die erste Möglichkeit, mit dem Pferd Kontakt aufzunehmen, sich mit ihm zu verständigen und erste Dominanzverhältnisse zu besprechen. Sie ist die Basis des guten Verständnisses zwischen Mensch und Pferd und es ist essentiell, diese Wichtigkeit zu erkennen und zu fördern. Viele Probleme unter dem Sattel lassen sich schon frühzeitig verhindern oder auch später beheben, wenn man die Arbeit vom Boden aus beherrscht. Deshalb denke ich, dass es wichtig ist, die Halfterklasse als Prüfung zu erhalten und weiter zu fördern." Diesen Meinungen kann man sich nur anschließen.
Wie wichtig es ist, Reiten im leichten Sitz nicht nur als Randprüfung zu betrachten, hat sich auf der diesjährigen DJIM auf dem Kronshof gezeigt. In der KL gab es derartig schlecht vorbereitete Reiterpaare in dieser Prüfung, dass das Überspringen eines Hindernisses den Teilnehmern aus Sicherheitsgründen freigestellt wurde. In der KM, sehr zum Leidwesen derer, die sich gut vorbereitet hatten, war nicht einmal ein freiwilliger Sprung zugelassen.
Auch bei der Ausrichtung der SP2 konnte der Münzenfelder Hof durch die Ausschreibung als Caprilli-Prüfung punkten. Namensgeber dieser Prüfung ist der Italiener Federico Caprilli, der Ende des 19. Jahrhunderts den im Oberkörper nach vorne geneigten, den Rücken des Pferdes entlastenden und mit der Bewegung des Pferdes mitgehenden Springstil geprägt und den damals vorherrschenden Springstil mit weit zurück gelegtem Oberkörper zu verdrängen geholfen hat. Bei der Notenvergabe wird besonderes Augenmerk auf die Qualität des leichten Sitzes und der Einwirkung des Reiters sowie auf die Rittigkeit des Pferdes gelegt. Auch wenn in dieses Mal noch nicht viele Reiter an dieser Prüfung teilgenommen haben, so ist ihre Wichtigkeit nicht zu unterschätzen. Darüber waren sich auch die tapferen Zuschauer, die Wind und Wetter trotzten, einig. Svenja Braun formulierte es so: „Wir Islandpferdereiter legen viel Wert auf die Vielseitigkeit unserer Pferde. (...) Leider kommen gerade das Springen und die Geländeprüfung oft zu kurz. Dabei sind sie wichtige Grundlagen unserer Reiterei, denn wie wollen wir uns sicher im Gelände - unserem Hauptaufenthaltsort mit den Islandpferden - bewegen und in schnellen Gangarten, wenn wir den leichten Sitz, das Bergauf- und Bergabreiten und das Springen über im Weg liegende Baumstämme nicht mehr beherrschen? Wie sollen wir schnell Rennpass oder Renntölt reiten, wenn wir nicht gelernt haben, uns elastisch und unabhängig im leichten Sitz in schnellen Gangarten zu bewegen? Wie machen wir unsere Pferde im Rücken locker oder reiten junge Pferde ein, wenn uns nicht der Entlastungs- oder leichte Sitz dabei helfen können?"
Deshalb ist es schön, dass es Ausrichter wie den Münzenfelder Hof gibt, die Zusatzprüfungen wie Halfterklasse und Caprilli-Prüfung ausschreiben. Hoffentlich kann dieser Artikel dazu beitragen, 2010 viele weitere Veranstalter zu ermuntern, ebenfalls solche Zusatzprüfungen auszuschreiben und auch für die Zuschauer attraktiv zu gestalten.
(Imkje Bahl)







